News


Die perfekte Saitenlage

Das plek-Verfahren unter der Lupe
Ein sagenumwobenes Verfahren gibt es da, sagen die einen, während andere nie davon gehört haben. Es geht um das Wörtchen „plek“. Zwar ist es im Duden nicht zu finden, wohl aber in den Spezifikationen der meisten Martin-Gitarren, unter anderem bei sämtlichen Instrumenten der Standard Series. Was hat es damit auf sich?

Die plek-Maschine bei der Arbeit (Foto: A+D Gitarrentechnologie, Berlin)

Innovation durch Frust
Mit „plek“ wird ein technisches Verfahren bezeichnet, das zur Optimierung der Bundstäbchen gedacht ist. Und: Es wurde von dem Berliner Gerd Anke entwickelt, Werkzeugmacher und unzufriedener Gitarrist. Der wollte wissen, wie man die Saitenlage optimieren kann, und hat sich die Sache mal genauer angesehen.

Spaßbremse Saitenlage
Jeder Gitarrist weiß, dass eine schlecht eingestellte Gitarre keinen Spaß macht. Die Saitenlage ist zu hoch, um vernünftig spielen zu können – oder zu niedrig, um einen schnarrfreien Ton zu erhalten. Im ungünstigsten Fall trifft beides zu. Neben unterschiedlich hohen Bundstäbchen liegt solch ein Problem oft an einem krummen Hals.

Die optimale Kurve
Das wissen auch die Hersteller, und deshalb hat jede moderne Gitarre einen verstellbaren Halsstab, um hier eingreifen zu können. Allerdings darf der Hals nicht völlig gerade sein; er muss eine leichte Kurve beschreiben, um der schwingenden Saite nicht in die Quere zu kommen. Um genau diese Kurve geht es beim pleken. Das hat Anke mit Hilfe eines Stroboskops herausgefunden – es liefert extrem kurze Lichtblitze, die die Position einer schwingenden Saite sichtbar machen. Das wichtigste Ergebnis dieser Arbeit: Es gibt eine Kurve, die der schwingenden Saite optimalen Platz bietet. Vor allem aber: Diese Kurve ist nicht für jede Saite gleich.

Runde Krone, reiner Ton
Ein Stahlstab ist hier machtlos, und sei er noch so feinfühlig einstellbar. Daher entwickelte Anke eine Maschine, mit der jeder einzelne Bund computergesteuert so abgefräst werden kann, dass die Bundoberseiten dieser optimalen Kurve folgen – und das für jede Saite! Mehrere plek-Maschinen stehen in den Martin-Werken und kümmern sich um die meisten Gitarren, die hier hergestellt werden. Kleiner Nebeneffekt dabei: Die Oberseite der Bundstäbe, die so genannte Krone, ist optimal verrundet, so dass die Saite wirklich nur auf einem einzigen Punkt aufliegt. Dadurch klingt die Saite hörbar besser. Mit einem Schleifklotz und einer Feile ist das praktisch nicht zu erreichen.

Tiefer geht nicht
Bei aller Euphorie darf man jedoch die Grenzen der Physik nicht vergessen. Zwar träumt jeder Gitarrist von einer völlig mühelos zu spielenden Gitarre, aber alleine die Schwingungsbewegung der Saite setzt dem deutliche Grenzen. Mit dem Anschlag wird die Saite in Schwingung versetzt, und die benötigt nun einmal Platz. Und je härter der Anschlag ausfällt, desto mehr Platz wird gebraucht. Ein gewisser Abstand über dem Griffbrett muss also sein, wobei dünnere Saiten mehr Platz benötigen. Die Einstellung einer Gitarre bleibt ein Kompromiss – bei dem jedoch dank der plek-Technik zumindest ein Parameter optimiert ist.

Martin 000RSG mit Siris-Korpus

Vollmassiv und doch preiswert – diesen Spagat schafft Martin mit der zu Recht populären Road Series. Möglich wird dies durch den Verzicht auf aufwändige Einlagen oder hochexklusive Hölzer. Nicht gespart wurde hingegen bei den inneren Werten, also bei der Konstruktion, der Verarbeitung und letztlich dem Sound. 

Hier gibt es mehr dazu

Dreadnought und Grand Performance in Black Walnut

Alternativen zu finden – das ist es, was Martin Guitars antreibt, immer wieder mit ungewöhnlichen Tonhölzern zu experimentieren. Und das nicht erst seit den CITES-Bestimmungen, die den Handel mit Palisanderhölzern reglementieren, denn das ist nur ein weiterer Hinweis darauf gewesen, dass die Ressource Holz speziell aus den tropischen Wäldern limitiert ist.

Hier gibt es mehr dazu